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Wird twoday eigentlich schneller, wenn ich denen die 5 Euro im Monat latze?

"Wie kommen Sie dazu", hat man mich gefragt, "zu bestimmen, wer Christ ist und wer nicht?" Oder: "Wäre es nicht denkbar, dass mancher, der an diese Glaubenssätze nicht glauben kann, ein weit besserer Christ ist, dem Geiste Christi weit näher steht als mancher Gläubige?" Dieser Einwand ist in gewissem Sinn sehr berechtigt, er ist sehr nachsichtig, sehr geistig, sehr feinfühlig; er vereinigt alle Vorzüge in sich, nur bringt er uns nicht weiter. Wir können uns einfach nicht einer Sprache bedienen, wie sie meine Gegner vorschreiben wollen, ohne gleichzeitig Verwirrung zu stiften. Vielleicht kann ich dies durch die Entwicklungsgeschichte eines Wortes von sehr viel geringerer Bedeutung klarmachen.

Das Wort Gentleman bezeichnete ursprünglich etwas klar Definierbares, nämlich einen Mann, der ein Wappen führte und einigen Grundbesitz hatte. Wenn man jemanden einen Gentleman nannte, war das kein Kompliment, sondern die blosse Feststellung einer Tatsache. Sagte man dagegen einem anderen, er sei kein Gentleman, war das keine Beleidigung, sondern wiederum eine Tatsache. Es widersprach sich nicht, wenn man sagte: "Hans ist ein Gentleman und ein Lügner"; ebensowenig wie heutzutage ein Widerspruch darin liegt, wenn man sagt: "Jakob ist ein Narr und Dr. phil."

Doch dann kamen jene Leute, die so richtig, so nachsichtig, geistig und feinfühlend und doch so unfruchtbar behaupteten: "Na ja - das Ausschlaggebende an einem Gentleman ist nicht sein Wappen oder sein Grundbesitz, sondern sein Benehmen. Ist nicht erst der ein wahrer Gentleman, der sich beträgt, wie es eines Gentlemans würdig ist? So verstanden ist Eduard bestimmt ein besserer Gentleman als Hans." Sie meinten es gut.

Ehrenhaft, höflich und tapfer zu sein, ist sicher wichtiger als ein Wappen. Aber es ist nicht das gleiche, und schlimmer noch, das Wort Gentleman ist zu einem schwammigen Begriff geworden. Es hat heutzutage eine neue, verfeinerte Bedeutung gewonnen. Wenn ich heute jemanden einen Gentleman nenne, so gebe ich keine Auskunft über ihn, sondern erteile ihm ein Lob; wenn ich dagegen sage, er sei kein Gentleman, beschimpfe ich ihn. Ein Wort, das nicht mehr etwas Bestimmtes umreisst und zu einem blossen Lobeswort geworden ist, eignet sich aber auch nicht mehr dazu, über Tatsachen Auskunft zu geben. Es sagt nur noch aus, was ich persönlich über einen anderen denke. Unter einem anständigen Essen verstehe ich ein Essen, das mir persönlich gut geschmeckt hat. Das Wort Gentleman, seiner ursprünglichen, groben, objektiven Bedeutung entkleidet, vergeistigt und verfeinert, bezeichnet kaum mehr als einen Mann, den man persönlich nett und anständig findet. Die Konsequenz: Das Wort Gentleman ist heute ein leeres Wort. Lobesworte gab es schon zur Genüge, ein neues wäre nicht notwendig gewesen. Wenn es jemand in seinem ursprünglichen Sinn anwenden will, weil er vielleicht ein geschichtliches Werk schreibt, muss er es erst lange erklären. Für wissenschaftliche Zwecke ist das Wort untauglich geworden.

Wenn wir zulassen, dass die Leute das Wort Christ vergeistigen und verfeinern oder - wie sie es vielleicht ausdrücken würden - "vertiefen", dann wird auch dieses Wort schnell entwertet sein. Vor allem werden die Christen selbst das Wort nicht mehr auf irgend jemand anwenden können. Es ist ohnehin nicht unsere Sache zu sagen, wer letztlich dem Geist Christi am nächsten ist und wer nicht. Wir können den Menschen nicht ins Herz schauen. Wir können nicht richten, ja wir dürfen es nicht. Es wäre sündhafte Anmassung, wollten wir behaupten, irgend jemand sei in dem oben bezeichneten, verfeinerten Sinn des Wortes ein Christ oder nicht.

Ein Wort, das man nicht anwenden kann, ist offensichtlich überflüssig. Ungläubige Menschen werden das Wort mit besonderer Vorliebe in seinem verfeinerten Sinn anwenden. Und es wird in ihrem Mund zu einem blossen Lobeswort herabsinken: Wenn sie jemand einen Christen nennen, wollen sie damit sagen, dass sie ihn für einen guten Menschen halten. Wenn man das Wort Christ auf solche Weise gebraucht, ist es keine Bereicherung unseres Sprachschatzes. Dafür haben wir schon das Wort gut. So wäre das Wort Christ für jeden vernünftigen Zweck unbrauchbar geworden. Deshalb müssen wir uns an den ursprünglichen, klaren Wortsinn halten.
aus: C.S. Lewis: "Pardon, ich bin Christ" (S.14/15)

So der Titel meines ersten Buches, das ich dummerweise noch schreiben muss.

Gestern eine alte Freundin nach Jahren in der "mall" getroffen. Erst nicht sicher gewesen, ob sie es ist und deswegen wie ein Rentner mit penetrantem Blick sie anstarrend um sie herum gelaufen, bis sie mir zu erkennen gab, dass sie mich auch kannte. Erschrocken gewesen, dass sie irgendwie alt geworden ist. Dabei ist sie jünger als ich.

Ich finde, es gibt viel zu wenig sozial akzeptierte Zwangsneurosen.

Hunger vs. musikmachenwollen. Kein Wunder, dass viele Musiker so dünn sind.

Diese Diskussion ermutigt mich im Übrigen sehr zu der Hoffnung, dass ihr Ende gut sein wird, in welcher Form auch immer. Ich glaube, solange so viele so fähige Menschen so viele Gedanken daran "verschwenden", behält die Welt der weblogs ein gutes Stück Dignität und Anspruch.
(Oder liegt es vielleicht gar daran, dass sich hier nur eine Avantgarde engagiert? Interessanter Gedanke.)
Aber noch interesanter ist eigentlich die Tatsache, dass die Diskussion die, nennen wir es einmal provokant "Anklage" des Herrn Praschl widerlegt. Denn dies ist Wertschätzung und Ermunterung at it's best. Und das ist schön. Sehr schön.

Bisher bin ich übrigens ganz gut ohne M. Proust, T.W. Adorno und V. Radke ausgekommen. Werde das wohl auch weiterhin schaffen.

Weblogs werden irgendwann mal auch nicht mehr das sein, was sie irgendwann mal gewesen sein werden.

 

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