
le travelguide:
Morgenwonne
Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.
Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.
Joachim Ringelnatz
le travelogue:
Heinz Erhardt sagte mal: „Und hätt’ ich nur einen Satz vom Ringelnatz.“ In obigem Gedicht wäre das für mich: „…ein ungeheurer Appetit nach Frühstück und nach Leben.“ Den nach Frühstück jeden Tag, den nach Leben jede Sekunde. Und trotzdem bin ich alles andere als ein Morgentyp. Mir liegt auch das Wort Morgenstuhl näher als Morgenwonne. Oder gar Morgenstund hat uswusf. Und Sonnenaufgänge kann ich auch nur genießen, wenn ich danach entweder ins Bett gehen kann oder dabei gerade in Urlaub fahre. Was manchmal auch dasselbe ist. Der Schlaf ist nicht der kleine Bruder des Todes, sondern des Urlaubs.
Zum Travelguide übrigens gab es eine kleine Tube Creme 21. Was ich damit anfangen soll, weiß ich allerdings auch nicht – zumindest nicht im übertragenen Sinne, im auftragenden Sinne schon. Gab es nicht eine Band, die so hieß und die „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ gecovert hat? Die Band war dann am Ende ebenso erfolglos wie die Marktwiedereinführung der Creme neulich. Alles nur Rudi Carell schuld.
Wie auch immer. Da ich also kein Morgenwonnentyp bin, hier ein Nachtgedicht, andernortens bereits schon mal veröffentlicht:
die nacht
tief und fest wach ich allein
der schlaf scheint endlos ferne
so, wie das heer der sterne
unerreichbar mir zu sein
schwarz und zäh schleppt sich die nacht
mich unaufhörlich windend
und keine ruhe findend
hat sie noch keine rast gebracht
die welt hat sich in schwarz gehüllt
und wird ganz spärlich nur erfüllt
von des mondes fahlem licht
oft gibt die nacht ersehnte ruh
und deckt des tages sorgen zu
meine heute jedoch nicht
derGarfunkel - am Donnerstag, 15. Dezember 2005, 00:46