Die Diskussion um Mel Gibsons Film "The passion of Christ" geht unvermindert weiter. Jetzt, wo der Film in den USA im Kino läuft, zieht sie sogar noch stark an. Es ist wie mit allem, jeder, dessen Name schonmal irgendwie mit Film in Verbindung gebracht wurde, wird zitiert und darf seine Meinung kundtun. Und diese Meinungen sind ziemlich harsch. Und doch so verquer. Studiobosse fangen plötzlich an von Ethik und verletzten religiösen Gefühlen zu sprechen. Die unsägliche und definitiv zu verurteilende Meinung von Gibsons Vater wird zu seiner eigenen hochstilisiert. Leute äußern "Unwohlsein" bzgl. des Films und fühlen sich angegriffen. Warum? Weil Juden Jesus ans Kreuz genagelt haben? Ist dies nicht durchaus verständlich, wenn Jesus in Israel gelebt hat? Ist die Bibel jetzt auch antisemitisch?
Ich habe den Film noch nicht gesehen. Leider. Ich werde ins Kino gehen, sobald er hier anläuft, und ihn mir anschauen. Aber auch ohne ihn gesehen zu haben (hey, ich hab das Buch gelesen - und die Bücher sind immer besser), erlaube ich mir eine Meinung und verurteile diese Doppelmoral, mit der Mel Gibson medial zerfleischt wird und die doch nur an dünnen Argumentationsfäden hängt. Und die John Lesher treffend in die Worte fasst: "People here will work with the anti-Christ if he'll put butts in seats."
Mich verwundern all die Reaktionen nicht. Im Gegenteil, ich habe sie erwartet. Denn das Evangelium von Jesus Christus ist keine Samstagnachmittags Familienunterhaltung, es hat Sprengkraft. David O. Russell liegt völlig falsch wenn er sagt: "There are so many wonderfully provocative things about Jesus' life and death that challenge us to be better people.", denn Jesu Anliegen war es nicht, die Menschen dazu zu bewegen, bessere Menschen zu sein, sondern zu begreifen, dass sie eben keine guten Menschen sind und ihn deshalb nötig haben. Jesus wollte nicht die Welt verbessern, er wollte Menschenleben retten. Und somit haben nicht "die Juden" Jesus ans Kreuz gebracht, sondern ich. Und mit mir alle, die das ebenfalls nötig hatten, haben und haben werden. Es geht um radikale Umkehr. Alles andere wäre Verwaschung des Sinns.
Die letzten Stunden Jesu waren für ihn kein Spaziergang, also darf es ein realistischer Film darüber auch nicht sein. Golgatha heißt Schädelstätte. Das kann ich verletzend finden, aber es ändert nichts daran.
Und doch: ich kann die Meinungen nachvollziehen. Denn alle diese Leute haben eine Sichtweise gemeinsam: Für sie ist der Film Hollywood. Und nicht Realität.
(alle Zitate aus der NYT.)
Ich habe den Film noch nicht gesehen. Leider. Ich werde ins Kino gehen, sobald er hier anläuft, und ihn mir anschauen. Aber auch ohne ihn gesehen zu haben (hey, ich hab das Buch gelesen - und die Bücher sind immer besser), erlaube ich mir eine Meinung und verurteile diese Doppelmoral, mit der Mel Gibson medial zerfleischt wird und die doch nur an dünnen Argumentationsfäden hängt. Und die John Lesher treffend in die Worte fasst: "People here will work with the anti-Christ if he'll put butts in seats."
Mich verwundern all die Reaktionen nicht. Im Gegenteil, ich habe sie erwartet. Denn das Evangelium von Jesus Christus ist keine Samstagnachmittags Familienunterhaltung, es hat Sprengkraft. David O. Russell liegt völlig falsch wenn er sagt: "There are so many wonderfully provocative things about Jesus' life and death that challenge us to be better people.", denn Jesu Anliegen war es nicht, die Menschen dazu zu bewegen, bessere Menschen zu sein, sondern zu begreifen, dass sie eben keine guten Menschen sind und ihn deshalb nötig haben. Jesus wollte nicht die Welt verbessern, er wollte Menschenleben retten. Und somit haben nicht "die Juden" Jesus ans Kreuz gebracht, sondern ich. Und mit mir alle, die das ebenfalls nötig hatten, haben und haben werden. Es geht um radikale Umkehr. Alles andere wäre Verwaschung des Sinns.
Die letzten Stunden Jesu waren für ihn kein Spaziergang, also darf es ein realistischer Film darüber auch nicht sein. Golgatha heißt Schädelstätte. Das kann ich verletzend finden, aber es ändert nichts daran.
Und doch: ich kann die Meinungen nachvollziehen. Denn alle diese Leute haben eine Sichtweise gemeinsam: Für sie ist der Film Hollywood. Und nicht Realität.
(alle Zitate aus der NYT.)
derGarfunkel - am Donnerstag, 26. Februar 2004, 19:03