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Das Genre sagt mir eigentlich nicht zu und nach der Vorschau wollte ich ihn auch gar nicht sehen. Und obwohl er sich optisch und inhaltlich manchmal zu sehr aus dem Fenster lehnt und die Schlüssigkeit dabei auf der Strecke bleibt, hat mich Constantine durchaus positiv überrascht.
Der Plot: Gott und Satan haben quasi eine Wette laufen, wer mehr Seelen fängt. Dabei dürfen weder sie selbst noch ihre Gehilfen wie Dämonen, bzw. Engel die Menschen selbst attackieren, sondern nur beeinflussen. Teilweise tun die dies durch bestimmte Zwischenwesen, die allerdings auch manchmal zu weit gehen. Diese weist John Constantine (Keanu Reeves) als Sonderexorzist in ihre Schranken. Bis er durch die Polizistin Angela (Rachel Weisz), deren Zwillingsschwester angeblich von einer dunklen Macht in den Tod getrieben wurde, auf eine dämonische Verschwörung aufmerksam wird.

Theologisch müht sich der Film so lange, plausibel zu bleiben, bis er vollends überdreht, dennoch muss man sich ihm teilweise theologisch nähern. Denn eins wird hier deutlich: Die Masche mit dem Übernatürlichen wird hier nicht nur angewandt, weil sie besonders spooky ist. Sie geht tiefer. Und hier zeigt sich die Stärke des Films: Wenn man ihn losgelöst von aller Effekthascherei und vom konstruierten Plot betrachtet, dann offenbart er eine sehr zarte Charakterstudie eines Mannes, der, im Angesicht des nahenden Todes, sich nichts sehnlicher wünscht, als Heilsgewissheit oder, platt formuliert: Er will nichts mehr, als in den Himmel kommen.
In diesem Ringen um diese Gewissheit ist er gefangen in Widersprüchen zwischen dem, was er hört und erlebt. Er hört, dass es einen göttlichen Plan gibt für jedes Leben und erlebt selber Gott als "Jungen, mit einem Ameisenhaufen. Er hat keinen Plan". Er hört, er habe Gaben und sieht sie als Fluch. Er holt aus anderen den Tod heraus und kann ihn in sich selbst nicht bekämpfen. Er kämpft gegen und siegt über das Böse, steht in der Schlacht zwischen Dämonen und Engeln, er vertritt "das Gute" und verzweifelt daran, dass er sich sein Seelenheil nicht erkaufen kann. Er weiß, aber er glaubt nicht.
Wenn man den Film in dieser Hinsicht betrachtet, steht er fast schon in der Tradition einer Satire, die ja als ein Stilmittel die Übertreibung benutzt. Die Frage ist nur, ob die Übertreibung wirklich so übertrieben ist. Spätestens seit Frank Peretti gibt es einige christliche Autoren, die diesen Kampf zwischen Gut und Böse beschreiben, der um die Menschen tobt. Unsichtbar aber unerbittlich. Wie wirklich ist also die Wirklichkeit, wie fiktiv die Fiktion?
Ich stimme meiner Kinobegleitung zu (übrigens Frau Limone mal wieder), dass man Gefahr läuft, die sichtbare Realität zu verdrängen, wenn man sich nur auf mögliche sphärische Kriegsschauplätze konzentriert. Aber das macht wohl auch kaum jemand.
Dennoch liefert die Bibel selbst die Aufforderung, auch die unsichtbare Realität zuzulassen. Paulus sagt in Epheser 6,12: "Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel."

"Ich glaube nicht an den Teufel." - "Sollten Sie aber. Er glaubt schließlich auch Sie!", so Angela und John im Film. Ich kannte den Spruch bisher nur mit Gott, aber vielleicht ist er genauso wahr. Mich selbst interessiert das ganze Geballere mit heiligen goldenen Uzzis und aufgestylten Typen mit besonders dämonischem Grinsen nicht. Mich interessiert, wonach Menschen sich, wie John Constantine, sehnen und worum sie ringen und was ihre Meinung von Gott und dem Teufel ist, ob sie glauben oder nicht, ob sie wissen oder nicht und was sie meinen zu wissen und zu glauben. Und ich glaube, das ist es auch, was Gott und Satan interessiert.

Ich habe nur bedingt Antworten, aber ich habe unbedingt Fragen. Die interessieren mich auch mehr als Antworten.

(Abschließend nur noch kurz ein Lob ans Cinestar Düsseldorf. 1. Weil sie jede Woche mehrere Originalfassungen aktueller Filme bringen, 2. weil sie die wöchentliche Sneak Preview auch in Originalfassung bringen und 3. weil sie sich traut auch "Blockbuster" in der Sneak zu zeigen.)
 

twoday.net

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