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"Und? Was hast du?"

Ein Mädchen, das auf einer Dachterrasse Trampolin springt.
Ein Schauspieler, der sich schämt, einen Film empfohlen zu haben.
Ein jähzorniger Junge, der beim Fußball seinem Gegner aufhilft.
Ein Mann, der im Kino nicht auf Toilette geht, weil er sich nicht traut, nach dem Weg zu fragen.
Ein Mann, der sich trotz Sonne den Abend herbeisehnt, weil er dann seine Herzallerliebste wiedersieht.
Eine kleine Frau, deren Stiefel größer scheinen, als sie selbst.
Ein kleiner Junge, der der Cafébedienung selbstlos hilft, die Stühle draußen zusammenzubinden.
Ein Dreigrüppchen mit Gesichtsfeldsonnenbrillen.
Ein Dalmatiner, der aussieht, als sei er zu heiß gewaschen worden, weil er nur auf den Ohren Punkte hat.
Eine Kosovo-Albanerin, die viel Stress und keine Zeit hat und trotzdem nur original russischen Tee trinkt, der eine Stunde im Samowar gezogen ist.
Eine Frau um die sechzig, die erfährt, dass sie dann besonders reich an Liebe ist, wenn sie sie verschwendet.
Eine Frau, die sich im Park ihre Handtasche mit Spülschwämmen aufpolstert, um ihren Kopf darauf zu legen.
Ein Hund, der, einen Stock jagend, in den Bach springt. Und ein Junge, der dasselbe tut.

Der Himmel über Berlin.

In seinem Film "Der Himmel über Berlin" lässt Wim Wenders zwei Engel in einem BMW-Cabrio Platz nehmen, irgendwo in einem Autohaus in Berlin. Sie zücken ihre Notizbücher und erzählen sich die kleinen Geschichten des Lebens, die Dinge, die sie beobachtet haben, die Dinge, die das Leben irgendwie besonders machen. "Und? Was hast du?" Sie erzählen sich den Lebenswert und damit das, was sie selber nicht haben und erleben können und dürfen als Engel. Sie, die Übersinnlichen sammeln das Sinnliche und hoffen dabei, es einmal selbst zu spüren.
Der Himmel über Berlin ist immer noch wunderschön. Grund genug, eine lose Reihe zu starten, um ihn zu teilen und mitzuteilen.

Scheu ist er nicht, der kleine Junge. Er ist vielleicht zwei Jahre alt, pirscht sich langsam heran an mich, hier irgendwo auf einem Dorf im Norden Hessens. Hier hat jeder einen Trecker. Oder zumindest der Nachbar. Das weiß auch der kleine Junge schon. "Hast du einen Schlepper?". "Nein, tut mir leid. Ich hab keinen Schlepper." "Oder einen MB-Truck?" "Nein, einen MB-Truck hab ich auch nicht." "Oder einen Deutz vielleicht?" Nein, tut mir leid, ich hab auch keinen Deutz." "Warum denn nicht?"
Diese Frage, kann ich ihm dann auch nicht beantworten. Warum denn eigentlich nicht? Vielleicht, weil man in Berlin nicht unbedingt einen Traktor braucht. Oder weil es eigentlich eh relativ unüblich ist, einen Traktor zu besitzen. Wobei das Argument in Nordhessen wahrscheinlich nicht gilt.
Der kleine Junge gibt sich nicht zufrieden mit meinem Gestammel, es stört ihn aber auch nicht weiter. Sein Papa hat ja einen Schlepper. Einen ganz alten sogar. Und sobald er das Wort Rohölzünderclub aussprechen kann, wird er dort bestimmt auch eintreten.

Komm, lass uns Kultur schaffen gehen
Nicht schauen, was geht, sondern hersehnen, was kommt
Wir lassen uns nicht drücken, sondern ziehen
Wir ziehen los und andere mit
brauchen niemands Antworten, aber alle Fragen dieser Welt
schauen hin, nicht weg und sind doch beides
Lass uns wundern statt ärgern
und staunen statt zweifeln
Und wenn nichts mehr geht
dann gehen wir eben weiter

Toll, die New York Times hat ihre Internetplattform neu strukturiert. Und ist jetzt tatsächlich noch unübersichtlicher geworden.

 

twoday.net

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