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Alleine in einem Café zu sitzen, in einer Zweier-Sitzgruppe (Was eh schon kurios ist, da der Begriff "Gruppe" soziologisch gesehen eine Beziehungsgefüge von mindestens drei Linien beinhalten muss, sprich: drei Personen), ist eh schon einsam genug. Wenn dann noch der zweite Sessel weggenommen wird - "Ist der noch frei?" - wird die Einsamkeit offensichtlich. Und scheint - ebenfalls offensichtlich - jeder Möglichkeit der Linderung beraubt.

Der-Adventskalender

le travelguide:
Wieder kein Travelguide. Dafür ein Riegel. „PowerBar“. So für Energie und so. Und good vibrations.

le travelogue:
Power bar. Nicht auf pump, sondern direkt, bar auf die Hand und runter damit. Jetzt stark genug für einen Neuanfang. Und zwar
hier

Der-Adventskalender

le travelguide:
Kein travelguide heute. Ich muss mich mal wieder alleine auf den Weg machen. Aber nicht ganz alleine. Mit dabei ist der beste Freund des Menschen. Ein Irish Setter aus dem Hildesheimer Tierheim. Leider nur auf Postkarte.

le travelogue:
Meine Beziehung zu Hunden war lange Zeit etwas gestört. Das mit dem besten Freund des Menschen konnte ich nie nachvollziehen. Warum sollte einen der beste Freund mitten ins Gesicht beißen? Genau das passierte nämlich damals.
(Ich wollte gerade beginnen mit: „Es war ein Tag wie jeder andere…“ – natürlich war er das! Man wacht ja nicht morgens auf und denkt sich: „Geil, heute werde ich von einem Hund gebissen. Endlich etwas Abwechslung in meinem Leben.“) Es war ein Tag. Wie jeder. Andere. Mein bester Freund wohnte auf einem Bauernhof. Wir selbst hatten auch mal einen, aber das war vor meiner Zeit. Es stand nur noch ein renovierungsbedürftiger Stall und wir hatten noch zwei Trecker und ein paar Anhänger, um Heu zu machen, das dann nach Holland verkauft wurde, und um Holz zu machen im Wald, damit wir im Winter den offenen Kamin und die zur Ölheizung zuschaltbare Holzfeuerung im Keller füttern konnten. Mein bester Freund aber lebte auf einem richtigen Bauernhof. So mit richtigen Treckern, großen. Und mit Kühen und so. Alles, was dazu gehört. Und eben einem Schäferhund.
Der Hund war super. Charlie war das Musterexemplar eines Hundes, groß, lieb, treu und eigentlich immer dabei, wenn wir irgendwas machten. Zumindest, wenn es auf dem Bauernhof passierte. Bis zu diesem einem Tag. Dem Tag. Wie jeder. Andere.
Wir saßen auf dem Hof, vor uns und links von uns das Wohnhaus, rechts der Stall für Kälber, an den sich die Garagen und das Technikgebäude anschließen, das am Ende vom Taubenschlag gekrönt wird. Hinter uns die Kastanie und der kleine Garten. Es war warm genug, um auf den Steinen zu sitzen, mein bester Freund, Charlie und ich. Unser Charlie quasi.
Ich weiß nicht, was wir vorher gemacht haben. Vielleicht mal wieder Cowboy gespielt oder unsere sämtlichen Verstecke abgefahren, oder den leer stehenden Heuspeicher erkundet. Irgendwas. Denn irgendwas gab es – natürlich - immer zu tun. Jetzt aber hatten wir ein neues Spiel und da durfte Charlie auch mitspielen. Er war sogar der Protagonist, denn das Spiel hieß Pfötchen geben. Und da mein bester Freund und ich keine Pfoten hatten, musste Charlie ran. Er ließ das auch willig mit sich machen. Mal bei meinem besten Freund, mal bei mir, dann wieder bei ihm, dann wieder bei mir, dann wieder…nein, diesmal nicht bei ihm. Charlie gab ihm nicht die Pfote. Vielleicht hatte er keine Lust. Vielleicht hat mein bester Freund auch einfach was falsch gemacht? „Komm, ich zeig dir mal, wie das geht“ sagte ich ihm und versuchte es wieder. „Charly, gib Pfötchen“ befahl ich. Und Charlie gab Pfötchen. „Siehste, so macht man das!“ sagte ich zu meinem besten Freund. Und vielleicht hat Charlie das einfach missverstanden oder wurde, ganz pawlowisch, konditioniert, selbstherrliche Arroganzbolzen zu beißen. Denn kaum entfuhr mir der Satz, machte Charlie einen. Und zwar in meine Richtung. Das alte Tier zeigte eine Schnelligkeit, die man ihm gar nicht zugetraut hätte. Ich schon gar nicht. Ich hätte mir auch gewünscht, er selber nicht.
Charlie biss mich in meine Unterlippe, sodass sie, wie bei Bubba aus Forest Gump, nicht mehr nach oben zeigte, um im Zustand des geschlossenen Mundes mit der Oberlippe eine gemeinsame Linie zu ziehen, sondern, analog der Schwerkraft aber völlig entgegen der normalen menschlichen Physiognomie, nach unten. Das hätte mich nicht weiter stören müssen, schließlich hätte ich es ohne Spiegel gar nicht gesehen. Wenn die Schmerzen und das Blut nicht gewesen wären. „Hol deine Mama!“ schrie ich mich meinen besten Freund an, der leicht entsetzt und mit aufgerissen Augen neben mir stand und sich nicht bewegte. Ich wartete nicht auf ihn, sondern lief nach Hause, so schnell ich konnte. Hin zur Straße. Dann jedoch erstmal wieder zurück, um mein rostbraunes Fahrrad zu holen, das ich auf dem Hof liegen gelassen hatte. Verletzt zu sein ist doof. Natürlich. Aber seine Sachen ordentlich wegräumen, dazu sollte man sich immer Zeit nehmen.
Dann ging es jedoch ganz schnell nach Hause. Ich fuhr nicht, sondern schob mein Rad. Zum Glück waren es nur gut 300 Meter vom Höllenhund bis zum Elysium, wo alles wieder gut wird, wie immer, wenn Mama da ist. Dachte ich zumindest. Doch meinem stammelnden „Der Charlie hat mich gebissen!“ hatte sie auch nur Stammeln entgegenzusetzen und fünf Minuten später waren wir schon beim Arzt. Der schickte uns sofort ins Krankenhaus und dort wurde ich genäht.
Was blieb am Ende? Ins Elysium musste jemand anderes, Charlie nämlich, der wurde kurz darauf eingeschläfert. Das fand ich irgendwie beruhigend. Es half nur leider nichts, weil der neue Hund derart aggressiv war, dass ich mich nicht traute über den Bauernhof zu gehen, wenn er nicht angeleint war. Und selbst dann kläffte und bellte und riss er an der Eisenkette, dass ich sie vor meinem geistigen Auge schon zerspringen sah. Und mich auch.
Die Mutter meines besten Freundes kam ein paar Mal vorbei um mir Geschenke zu bringen. Generell habe ich nie wieder so viele Micky Maus-, Yps- und Fix & Foxi-Hefte bekommen wie damals. Immerhin was gutes. Und diesen elefantenförmigen Stundenplan gabs, den man beschreiben und wieder abwaschen konnte. Super Teil.
Meine Angst vor Hunden hat sich inzwischen wieder gelegt. Irgendwann kauf ich mir auch mal einen. Der beißt dann aber nicht. Das einzige, was ich als Langzeitwirkung davongetragen habe, ist, dass ich bis heute Root Beer nicht ausstehen kann, weil es schmeckt und riecht wie das Zeug, mit dem ich mir damals nach jedem Essen den Mund ausspülen musste, damit die Wunde sich nicht infiziert. Versteh nicht, wie man so was freiwillig trinken kann. Man lässt sich ja auch nicht freiwillig vom Hund beißen.

Der-Adventskalender

le travelguide:
BERLINsoap.

good journey.
good inspiration.
godspeed

le travelogue:
Ein Stück Seife dabei heute. Nicht so normale. Mehr so coole, so durchsichtige, mit einem Schriftzug drinnen. „Du stellest meine Füße auf weiten Raum“ steht dort. Aus Psalm 31. Ein Satz, an den ich in meiner Dusche nicht unbedingt denke.
Bei Berlin schon eher. War diese Woche zum ersten Mal hier. Habe tatsächlich 26 Jahre dafür gebraucht, hierher zu kommen. Bin auf weiten Raum gestellt worden hier. Nicht nur, was die Stadt angeht, eher, was die Möglichkeiten angeht, die ich bekommen habe. Ein Job nämlich, einen krassen. Einen, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Einen, der aber nicht in Berlin ist, obwohl ich da mit gerechnet hätte. Einen der mich herausfordert und der mich ehrt, ihn angeboten zu bekommen. Schon verrückt, das alles.

Im selben Psalm steht übrigens auch: „In deine Hand, befehle ich meinen Geist.“ Das ist einer der letzten Sätze Jesu am Kreuz. Und es ist glaube ich auch der Satz, der vor dem anderen kommen muss, damit dieser passiert.
Dieser Adventskalender fordert mich heraus; fordert mein Sinnen und Spüren und Denken und Tasten. Und vielleicht heute am meisten, weil ich merke, dass Gott selber mich herausfordert. Er will mich auf weiten Raum stellen. Er will meinen Geist. Und er will mir seinen dafür geben, mich begeistern mit sich, einen neuen Raum aufschließen. Und ihn mit mir zusammen rocken. Yeah, let’s rock it, baby!

Der-Adventskalender

le travelguide:
Kauderwelschcountry.
explosion of thousand tasty landscapes.

le travelogue:
My dog Jelly likes to roam
One day he went far from home
He came back so quite unclean
Where o where has Jelly been?
Jelly been, Jelly been, where o where has Jelly been?
Jelly been, Jelly been, where o where has Jelly been?

Tolles Lied das. Viel gesungen mit den Kindern in Amerika, in diesem Land, das so kauderwelschig ist. So widersprüchlich oft, so doppelmoralisch, so vielsprechend, so viel versprechend, so schön und treu aber auch.
Und jede Strophe hatte der Hund einen anderen Namen: Laima, Coffee, Mister… Gebe zu, ich hab etwas gebraucht, bis ich’s verstanden habe. Aber nur, weil mir Laima nichts sagte.

Heute also Jelly Beans in meinem AK (Adventskalender). So ähnlich stelle ich mir ja auch diese (ok, wer tut das nicht?) „every-flavored beans“ bei Harry Potter (oder wie auch immer die heißen) vor. Bin nur froh, dass es Jelly Beans nicht in „jedem“ Geschmack gibt. Dabei tun sie glaube ich alles dafür, das zu ändern. Der gerade schmeckte wie Smacks, die man ohne Milch isst. Und der danach wie Batida de Coco. Und alle zusammen wie meine ersten Kochversuche. Nicht der Rede wert.

Aber zurück zu Amerika. Irgendwie sind Jelly Beans ja auch so was wie der amerikanische Traum. Da hat einfach jeder eine Chance, was zu werden. Jeder Geschmack, den die Erde in irgendeiner Form einmal hervorgebracht hat, hat die Chance, synthetisch reproduziert zu werden und somit – ola, Geschmacksverstärkerparty! – auch dann noch von dicken Kindern bemerkt zu werden, wenn die Ozonschicht komplett in Papis SUV hineinpasst. Hinten in den Kofferraum. Neben die Wal Mart Tüten.

Sehr schön sind auch die „Rezepte“ auf den Jelly Bean – Tüten. Zum Beispiel ergibt einmal Top Banana + einmal Chocolate Pudding + einmal Chrushed Pineapple + einmal Strawberry Jam + einmal Very Cherry + einmal Cream Soda ein täuschend echtes Bana Split vom Eishändler umme Ecke. Ein Geschmackserlebnis, das das Original bestimmt noch übertrifft. Und so einfach. Ohne lästiges zur-Eisdiele-gehen. Ohne die lästige Frage „Heißt bitte jetzt prego oder prosciutto?“ Ohne Zahnschmerzen, weil die Kälte des Eises wieder den Zahnhals reizt. Und somit sogar auch noch um Sensodyne herumgekommen. Wieder Geld gespart für Jelly Beans. Toll. Als nächstes dann mal den Obstsalat ausprobieren. Nein, nicht mit richtigem Obst, wozu gibt’s denn Jelly Beans?

Dass die Teile aus Amerika kommen, ist eigentlich nur logisch. Dass die Leute hier auch darauf stehen, aber auch. Sehe das Zeug schon als Einstiegsdroge für Extasy. Und Soylent Green. Bald isses soweit. Isses soweit. Isses. Soweit. Und solang, bis du kotzt. Und wenn du nicht weiß wie das schmeckt, kotzen, einfach mal selber zusammenmixen, den Geschmack: einmal Toasted Marshmellow + einmal Caramel Apple + einmal Orange Sherbet + einmal Island Punch + einmal Licorice + einmal…

Der-Adventskalender

le travelguide:

note of the day.
für den guten ton.

An die Musik

Musik: Atem der Statuen. Vielleicht:
Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen
enden. Du Zeit,
die senkrecht steht auf der Richtung vergehender
Herzen.

Gefühle zu wem? O du der Gefühle
Wandlung in was? -: in hörbarer Landschaft.
Du Fremde: Musik. Du uns entwachsener
Herzraum. Innigstes unser,
das, uns übersteigend, hinausdrängt, -
heiliger Abschied:
da uns das Innre umsteht
als geübteste Ferne, als andre
Seite der Luft:
rein,
riesig
nicht mehr bewohnbar.

Rainer Maria Rilke

le travelogue:
Zum Gedicht heute ein Notenblatt. Die erste Note ist schon drauf. Ein A. A wie Alphabet, wie Analyse, wie Anagramm. Ein Notenblatt ist für mich wie ein holländisches Buch. Wenn ich mich bemühe, kann ich’s verstehen oder zumindest erraten, was es mir sagen will. Aber lesen kann ich’s nicht. Vor allen Dingen nicht schreiben. Wenn ich Musik schreibe, dann merke ich sie mir. Ich notiere keine Melodien, ich behalte sie, nehme sie höchstens auf, um sie nicht zu vergessen. Sie sind auch einfacher als eine Bach Fuge. Von daher schaffe ich das sogar mit meiner begrenzten Genialität. Was ich eigentlich sagen will? Ach so: Was macht ihn denn eigentlich aus, den guten Ton? Vielleicht gebe ich die Frage einfach mal weiter und öffne somit heute das travelogue. Was ist denn bspw. mit dem Herrn Schulze von mediumflow (Link zeitweise fehlerhaft), der scheint doch Fachmann zu sein. Also, Herr Schulze, oder jeder andere, was ist denn nun der gute Ton?

Der-Adventskalender

le travelguide:

Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Joachim Ringelnatz

le travelogue:
Heinz Erhardt sagte mal: „Und hätt’ ich nur einen Satz vom Ringelnatz.“ In obigem Gedicht wäre das für mich: „…ein ungeheurer Appetit nach Frühstück und nach Leben.“ Den nach Frühstück jeden Tag, den nach Leben jede Sekunde. Und trotzdem bin ich alles andere als ein Morgentyp. Mir liegt auch das Wort Morgenstuhl näher als Morgenwonne. Oder gar Morgenstund hat uswusf. Und Sonnenaufgänge kann ich auch nur genießen, wenn ich danach entweder ins Bett gehen kann oder dabei gerade in Urlaub fahre. Was manchmal auch dasselbe ist. Der Schlaf ist nicht der kleine Bruder des Todes, sondern des Urlaubs.

Zum Travelguide übrigens gab es eine kleine Tube Creme 21. Was ich damit anfangen soll, weiß ich allerdings auch nicht – zumindest nicht im übertragenen Sinne, im auftragenden Sinne schon. Gab es nicht eine Band, die so hieß und die „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ gecovert hat? Die Band war dann am Ende ebenso erfolglos wie die Marktwiedereinführung der Creme neulich. Alles nur Rudi Carell schuld.

Wie auch immer. Da ich also kein Morgenwonnentyp bin, hier ein Nachtgedicht, andernortens bereits schon mal veröffentlicht:

die nacht

tief und fest wach ich allein
der schlaf scheint endlos ferne
so, wie das heer der sterne
unerreichbar mir zu sein

schwarz und zäh schleppt sich die nacht
mich unaufhörlich windend
und keine ruhe findend
hat sie noch keine rast gebracht

die welt hat sich in schwarz gehüllt
und wird ganz spärlich nur erfüllt
von des mondes fahlem licht

oft gibt die nacht ersehnte ruh
und deckt des tages sorgen zu
meine heute jedoch nicht

Sehr schön auch der Schaffner Zugbegleiter im ICE Berlin-Düsseldorf:Für die Verspätung von zwanzig Minuten möchte ich mich bei Ihnen bedanken, äh, entschuldigen.

Vielen Dank für die Blumen, Mama!
(Hole die Verspätung auch wieder auf, was den Adventskalender angeht. Versprochen.)

days off. Off to Hildesheim and Berlin.

 

twoday.net

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